Ost-Australien: Im Surfzoo der Reichen und Schönen

An der Ostküste passiert genau das, was Cam uns vorhergesagt hat: Die Wellen sind ein Witz. Cam hatte das zwar in einem Westküstler-versus-Ostküstler-Duktus gesagt, aus dem Gefühl der Überlegenheit heraus, dass der Westen Australiens die größeren und gefährlicheren Wellen hat, die Wellen, die Leben kosten oder zumindest größere Stücke Haut, die Wellen für echte Kerrels eben.

Aber auch harmlosere Surfspots brauchen Energie im Wasser, um überhaupt zu brechen. Leider fehlt der Swell. Als maximal halber Kerrel freue ich mich heimlich schon lange auf die nutzerfreundlichen Wellen der Ostküste. Mir scheint das Spaß-Überlebens-Verhältnis da ein bisschen ausgeglichener. Ohne Longboards ist hier kaum etwas zu machen. Noosa Heads, Byron Bay, Snapper Rocks: Wir murksen in perfekten kniehohen Wellen herum und denken wieder einmal wehmütig an die Rote Rakete und unser anderes Longboard, die in unserem Drachen in der kalifornischen Wüste wahrscheinlich schon zu einem pinken Brett zusammengeschmolzen sind.

Auch die Menschen an der Ostküste sind anders. Sie leben im Paradies, aber irgendwie hat man das Gefühl, sie nehmen alle Antidepressiva. Die Gold Coast, ein maximal reiches Pflaster, kommt uns gesellschaftlich so flach vor wie der Ozean, auf den wir blicken. Alle sind weiß, dünn und am Joggen. Es fehlt die Vielfalt. Kein Wunder, dass die Bewohner surfen wie die Doofen. Die Omas des lokalen Strickclubs, Neugeborene, Einbeinige, Hunde, jeder surft.

Die prekäre Wellensituation lässt uns Zeit für unsere neuen Lieblingstiere: Koala-Bären und Kängurus. Nachdem wir vergeblich sämtliche Eukalyptus-Wälder auf der Suche nach den kleinen gemütlichen grauen Kerlchen durchkämmt haben, wird uns das irgendwann zu dumm. Wir zahlen dafür, um Koalas beim Schlafen und Bambus-Mümmeln in einem Tierpark zusehen zu dürfen. Kängurus sind  dankbarere Liebesobjekte. Auf unserem Weg von der Sunshine Coast nach Coffs Harbor wachen wir nicht selten in unserem Campervan auf und finden uns von einer ganzen Herde umzingelt.

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In Byron Bay (da ist dort, wo deutsche Abiturientinnen normalerweise ihre Jungfräulichkeit verlieren) haben auf einmal alle Männer lange Haare. Viele haben sogar längere Haare  als Markus und surfen besser. Die Frauen sehen aus als wären sie frisch aus dem Roxy-Katalog gepurzelt. Hier können wir nicht allzu lange bleiben.

In Coffs Harbor, bekannt für seine Riesenbanane aus Pappmaschee, die man gebaut hat, um der vollständigen Bedeutungslosigkeit zu entkommen, besuchen wir einen Surfer-Freund aus G-land. Mark sieht aus wie Kurt Cobain und unterrichtet an einer katholischen Privatschule Musik. Er weiß, wie gerne wir surfen. Als er hört, wie gerne wir Kängurus beobachten, sagt er: Ich weiß genau den richtigen Surfspot für euch.

Auf einer malerischen Landzunge in der Nähe lebt eine ganze Känguru-Kolonie. Und von der Landzunge brechen makellose türkisfarbene Wellen in ernstzunehmender Größe. Wir surfen uns ein paar Tage glücklich. Jetzt sind wir begeistert von der Ostküste und überlegen, was wir tun müssen, um dauerhaft hier zu wohnen. Täglich joggen gehen und Antidepressiva schlucken, scheint uns plötzlich keine ganz schlechte Option mehr.

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