Indonesien: Warum leben wir eigentlich nicht auf Bali?

Es ist uns schwergefallen, Neuseeland zu verlassen. Nicht nur wegen der Wellen. Die Menschen der Insel sind sehr freundlich – und sehr speziell. Sie geben einem das Gefühl normal, vielleicht sogar cool, aber auf keinen Fall kauzig zu sein. Das sind nämlich die Einwohner selbst. Verschroben, etwas weltfremd, sehr liebenswert.

Als wir auf Bali ankommen, ist es mit der Hinterwäldler-Romantik vorbei. Wir sind nicht mehr die coolsten Säue in town. Wir kommen uns ziemlich schnell ziemlich alt vor. Lauter junge wunderschöne Menschen driften von einem veganen Cafe zum nächsten. Sorgen? Warum denn. Die Sonne scheint, alles ist super billig, und Wellen gibt es auch immer.

Es hilft wenig, dass unser Freund Roger uns zeigt, dass man auch als studierter Schwabe hier mittenmang sein kann. Es hilft aber, dass wir uns in seinem unglaublich schönen Haus mit Gäste-Loft im ultra hippen Canggu ausbreiten dürfen. Wir fühlen uns ziemlich schnell wieder ziemlich gut. Morgens ne Runde surfen, dann Acai-Bowl und organic Superfood-Smoothie, zwischendurch eine Massage, abends wieder surfen und dann Craft-Bierchen zum Sonnenuntergang am Strand. Dank Roger und seiner Freundin Kat fühlen wir uns in Canggu wie Zuhause. Er versucht das Plastikproblem auf Bali mit umweltfreundlichen (und stylischen) Inibags in den Griff zu bekommen. Guter Mann, also. Wir fühlen uns noch besser, bei ihm zu wohnen.

Aber Bali ist nicht Indonesien und für den mobilesurfdoc gibt es dort erschreckend wenig Arbeit. Hier braucht man eher einen mobilebikedoc, um die besoffenen Backpacker nach Moped-Unfällen von der Straße zu kratzen. Da das definitiv nicht mein Fachbereich ist, planen wir den nächsten Schritt. Nach einer kurzen Recherche ist klar: Wir müssen nach G-land. Nirgends sonst reißt das messerscharfe Riff den Surfern mit schöner Regelmäßigkeit alle möglichen Körperteile auf. Und das ganze mitten im Dschungel, kein Krankenhaus, keine geteerte Straße und kein anderer Arzt in der Nähe. Klingt fantastisch.

G-land hält, was es verspricht: Es ist wunderschön und hundsgemein zugleich. Das sagenumwobene Riff grenzt an einen dichten Dschungel. Mittendrin gibt es drei Surfcamps mit drei Notfallzimmern und jede Menge sadistischer Surfer. Sonst nichts. Von Affenbissen über Ameisenattacken, Kollisionen mit dem eigenen Surfbrett, Kollisionen mit dem Brett eines anderen Surfers, Kollisionen mit dem Riff, Beinah-Ertrinkungen und einem Notfalleinsatz mit Helikopter kriege ich alles, wonach ich mich auf Bali gesehnt habe.

Und die Wellen sind Weltklasse. Es gibt alles, was das Surferherz begehrt: Mörderische Riesen-Wellen über messerscharfem Riff, spaßige kleine Wellen über messerscharfem Riff, nackte Knie auf messerscharfem Riff. Und dann ist da noch der Dschungel. Er ist überall. Wenn wir duschen, stecken Affen ihre Köpfe durchs offene Dach und gucken uns zu. Tellergroße Schmetterlinge tanzen Ringelrein vor unserer Hütte. Und nebendran verspeist eine Schlange einen Salamander.

Aber irgendetwas stimmt nicht. Im Dschungel brodelt es. Der Yoga-Lehrer wird vom Affen gebissen. Die Ironie entgeht uns nicht. Ein anderer Surfer fällt einem Säureanschlag von toxischen Ameisen zum Opfer. Die ganze Jurassic-Park-Nummer gipfelt in einen eiskalten Mordanschlag auf Lotti. Sie wird fast von einem Mammut-Baum erschlagen, als sie von ihrer Lieblingswelle zurückkommt. Der Geländewagen schlängelt sich durch den Dschungel, da entscheidet sich ein Baum, dass seine Zeit vorbei ist. Lotti sitzt hinten auf der Ladefläche und guckt mit großen Augen zu, als sich der Baum wie in Zeitlupe über den Pfad neigt, immer tiefer neigt – und nur wenige Zentimeter hinter dem Jeep mit einem Donnern zu Boden kracht. Hätte der Fahrer angehalten, wäre Lotti platt gewesen. Wir interpretieren diesen Wink mit dem Zaunpfahl als Zeichen zu gehen.

Und schon sind wir wieder auf Bali, stören unseren Welt rettenden Freund bei der Arbeit, weil wir mit ihm surfen gehenwollen, und, wer hätte das gedacht, wollen wieder nicht fort.  Nächster Stop: West-Australien. Hungrige Haie, giftige Quallen, tödliche Wellen. Klingt verlockend.

 


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