Traumwandeln im neuseeländischen Winter

Nach unserem Fiji-Pech ist es mal wieder Zeit für eine dicke fette Portion Glück. Die Campervan-Firma Escape stimmt zu, den mobilesurfdoc mit einem Rabatt zu unterstützen. Unser Bus hat Orkas auf einer und Seepferdchen auf der anderen Seite. Es ist zwar Winter, aber die Sonne scheint. Und uns erwarten ein paar der besten Surfsessions unseres mittlerweile recht wellenreifen Lebens.

Schon seit Langem verfolgen wir einen tiefroten Punkt auf den Wettermodellen, der sich auf die Westküste Neuseelands zubewegt. Wenn tatsächlich alles so kommt, wie vorhergesagt, werden wir einen Monsterswell erleben. Könnte es diesmal klappen mit diesem ganz besonderen Spot im Norden der Nordinsel? Vor Jahren sind wir schon mal einem großen Swell gen Norden hinterhergejagt – und wurden enttäuscht. Die Spots, die wir surfen wollen, brauchen nicht irgendeinen großen Swell. Sie brauchen einen massiven Swell. Einen, der groß genug ist, an die zehn linke Pointbreaks zum Leben zu erwecken. Einen, der stark genug ist, sie miteinander zu verknüpfen. Einen, den man so bald nicht vergessen wird. Könnte es diesmal klappen? Diesmal könnte es klappen. Wir müssen es einfach versuchen. Gen Norden verlassen wir Auckland.

Als wir nach unserer ersten Nacht im Bus aufwachen und unsere steif gefrorenen Gelenke aus der Schiebetür klappen, gilt unser erster erwartungsvoller Blick dem Meer. Es gibt wenig schönere Anblicke im Leben von Surfern. Wir sehen Linien bis zum Horizont. Lang gereiste Energie, die sich am Strand in präzise geordnete Wellen verwandelt. Wir sind sofort wach.

Die nächsten drei Tage kommen wir nur an Land, um zu essen und zu schlafen. Ansonsten surfen wir. Der Swell übertrifft unsere kühnsten Träume. Bei Ebbe gibt das Meer einen schmalen Weg entlang der Steilklippen frei. Kilometerweit kann man dann die Küste hochlaufen – und das Ganze zurücksurfen. Meistens erbarmt sich irgendein einheimischer Surfer, der uns in Neoprenanzügen und mit Brettern unterm Arm so wandern sieht, und bedeutet uns, auf die Ladefläche seines Pickups aufzuspringen. Die Locals fahren die Strecke nämlich mit ihren Offroad-Monstern, gerne auch noch, wenn die Flut kommt und der Weg schon halb unter Wasser steht. Wir sind dankbar für jede Mitfahrgelegenheit. Uns tun die Arme weh vom vielen Paddeln. Die Beine vom vielen Surfen. Die Hälse vom Jubeln.

Die Stimmung im Wasser ist einzigartig. Es gibt mehr Wellen als irgendjemand surfen kann. Was wir da erleben, muss man einfach miteinander teilen. Alle Surfer im Wasser wissen, dass der Ozean uns gerade ein ganz besonderes Geschenk macht.

Auch nach dem Ende des Swells im Norden dauert der Zauber an. Wir erwischen traumhafte Bedingungen in Raglan, die wohl bekannteste Welle Neuseelands, besuchen (Gast-)Familie und Freunde und fragen uns nach zwei Wochen, warum wir eigentlich schon weiter nach Indonesien müssen.


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