Fiji: Welcome to Hell

IMG_3660-3Fiji ist wirklich so schön wie in der Werbung. Türkisfarbenes Wasser umspielt palmengesäumte Bilderbuch-Inseln. Korallenriffe produzieren perfekte Wellen am Fließband. Bunte Fische hüpfen jauchzend von selbst auf den Grill. Millionen von Touristen tun es ihnen auf Liegestühlen gleich. Gut gelaunte Einheimische trommeln am Ende des Tages die Sonne ins Meer. Dem Bula-Spirit zu entkommen, ist nicht einfach.

Aber wir schaffen es. Vielleicht, weil wir schlechte Vibes in uns tragen. Vielleicht, weil Fiji uns arm macht. Wahrscheinlich, weil wir nicht genug surfen.

Nach unserer Zeit auf dem Boot der World Surf League ist unser Glückskonto hoffnungslos überzogen. Surfen in Fiji kostet ein Vermögen. Man ist auf Boote angewiesen, die einen zu den Riffen bringen. Ein Halbtagsstrip kostet aber um die 70 Euro (!) pro Nase. Auch bei einer schlechten Surfvorhersage. Und dann haben wir noch nicht gegessen und übernachtet. Also müssen wir uns das Surfen oft verkneifen. Aber deshalb sind wir doch hier! Um es uns an den guten Tagen leisten zu können, die aberwitzigen Wellen von Cloudbreak und Restaurants zu surfen, ernähren wir uns von Tütensuppen und Keksen. Wir haben uns noch nie so arm gefühlt. Tropische Früchte gibt es auch nirgends. Ein Cyclone hat Fiji vor ein paar Monaten ordentlich verwüstet.

Die Segregation beginnt schon bei der Ankunft in Fiji. Fahrer der Resorts warten mit Schildern und Blumenketten auf ihre stinkreichen Gäste. Auf uns wartet niemand. Selbst die Taxifahrer, die sich anderswo um uns prügeln, ignorieren uns.

DCIM100GOPROGOPR0102.Wir sind gezwungen, im Backpacker zu wohnen. Das sind auf Fiji überdurchschnittlich teure Hotels mit unterdurchschnittlich gepflegten Zimmern, die sich wegen Abwesenheit echter günstiger Unterkünfte „Backpacker“ oder „Hostel“ nennen dürfen. Dort scheint alles ausgebucht. Aber so richtig weiß das niemand. Booking.com hat die Macht. Die super-netten Fijianer sitzen verzweifelt vor ihren Computern. Wir haben das Gefühl, dass sie unsere hehren Anti-Globalisierung-Bestrebungen eher als störend empfinden – und die 15 Prozent vom Gewinn, die sonst an Booking.com gehen, zahlt eh der australische/amerikanische/neuseeländische Besitzer.

Schließlich leisten wir uns ein Mietauto, um zu ein paar Surfspots zu fahren, die man sich von der Küste aus erpaddeln kann. Die laufen aber nicht. Im Süden der Hauptinsel haben die Monopolisten von Booking.com wieder ihre Finger im Spiel (Nein, wir haben nicht dazugelernt). Wir müssen die Nacht in einem Resort verbringen. Es ist zugegebenermaßen wunderschön. Bis Einheimische zur Belustigung der reichen Touristen ranmüssen. Wir bezahlen australischen Kolonialisten ein Vermögen, damit Fijianer uns für den landesüblichen Mindestlohn beim Essen stören?

Dann machen wir unsere ersten Erfahrungen mit Bed Bugs. Zunächst halten wir die Tierchen für Käfer. Bis wir Blutflecken auf dem Laken entdecken und, als wir es lüpfen, eine ganze Kolonie dadrunter entdecken. Mitten in der Nacht machen wir uns auf die Suche nach einer neuen Bleibe – nur um Stunden später erschöpft und gedemütigt auf der Couch im Foyer desselben Hostels zu übernachten.

IMG_3555Um uns die Horrornacht aus dem Gedächtnis zu waschen, gehen wir morgens eine Runde schwimmen. Ich kraule friedlich vor mich hin, als mir plötzlich jemand mit einem Baseballschläger eine überzieht. Mein Kopf klingelt, ich sehe Sterne und irgendwie tropft eine warme Flüssigkeit auf meine Schulter. Als ich nirgendwo einen Türsteher mit Totenkopf-Tattoos und Goldzähnen ausmachen kann, dämmert mir: Ich wurde von einem Fisch angegriffen, und zwar einem aalartigen, der gerne mit bis zu 60 Stundenkilometern durchs Wasser fetzt und statt einer Nase, mein Pech, ein Schwert im Gesicht trägt. Markus ist begeistert von dem äußerst seltenen medizinischen Notfall, der sich dem mobilesurfdoc da präsentiert. Meine Begeisterung ist marginal kleiner.

Jetzt haben wir die Faxen dicke. Bula am Socken. Es liegt nicht an euch, ihr herzlichen Fijianer. Wir versuchen, unseren Flug nach Neuseeland vorzuverlegen. Kostet schlappe 1000 Dolaritos. Wir sind im Paradies gefangen.


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