Fiji: Welcome to Paradise (and the Fiji Pro)

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Unsere Zeit in Fiji fängt fantastisch an. Weniger als 24 Stunden nach unserer Landung finden wir uns auf dem offiziellen Begleitboot der World Surf League wieder und gucken den besten Surferinnen der Welt dabei zu, wie sie eine der besten Wellen der Welt reiten. Ein amerikanischer Kollege von Markus arbeitet als Arzt für den Weltsurfverband (WSL). Als er dem Wettkampfdirektor erzählt, dass der mobilesurfdoc in Fiji ist, hat der gegen eine Einladung aufs VIP-Boot überhaupt nix einzuwenden. Ihm gefällt das Know-Your-Ears-Project – und ihn zwickt’s gerade selbst im Ohr.

Es ist surreal, mit unseren Vorbildern auf so engem Raum zusammensein. Die Surferinnen ziehen sich auf dem Boot um, beobachten die Wellen, planen eine Strategie für den Wettkampf, wärmen sich auf, trocknen sich ab, werden interviewt, lachen und weinen.

Cloudbreak, die sagenumwobene perfekte linke Welle von Fiji, Cloudbreak, bricht auf einem Riff ziemlich weit draußen auf dem Meer. Alles, was normalerweise am Strand stattfinden würde, spielt sich jetzt auf dem Boot ab. Und mittenmang: zwei überglückliche Surfsmurfs.

Eigentlich sind nur Familienangehörige, Trainer und World-Surf-League-Funktionäre an Bord des Boots. Dadurch sind die Surfprofis alle entspannt und zugänglich, keiner hält uns für nervige Fans – was wir natürlich eigentlich sind. Wir hängen mit Courtney Conlogue und ihrer Mutter ab. Sehen Tyler Wright beim Aufwärm-Tanzen zu. Staunen, wie Bethany Hamilton, die bei einem Hai-Angriff auf Hawai einen Arm verloren hat, den Wettbewerb fast gewinnt – und in den Pausen ganz lässig ihr ein Jahre altes Baby stillt.

Markus Praktikum bei den Surftour-Doktoren ist sehr entspannt. Die meiste Zeit sitzen die Götter in Bordshorts auf Deck und verfolgen den Surfwettbewerb. Langsam spricht sich herum, dass da jemand umsonst Ohren untersucht. Plötzlich kriegt Markus ein Walkie-Talkie in die Hand gedrückt. Ob er Lust hat, die Ohren der Judges vor seine Otoskop-Linse zu kriegen? Hat er. Ein Jetski bringt ihn zum Schiedsrichter-Turm auf dem Riff.

DSC05712-2Für die Sieges-Zeremonie des Frauen-Wettbewerbs gewährt man uns nach zwei Tagen auf dem Boot sogar den Zutritt zum/ins Paradies. Tavarua ist eine kleine herzförmige Insel im Süd-Pazifik umgeben von weißem feinen Sandstrand, türkisfarbenem Wasser und einem inseleigenen Riff, das sagenhafte linke Wellen produziert. Ein Spaziergang um die Insel dauert zwanzig Minuten. Unterwegs findet man gigantische Muscheln, frisch heruntergeplumpste Kokosnüsse und die Formel zum Glück. Tavarua ist perfekt. Und leider unbezahlbar. 800 Dollar kostet eine Nacht im Insel-Paradies. Nachdem die Französin Johanne Defay den Siegerpokal in die Hand gedrückt bekommen hat und  stilgerecht mit Corona (sic!) übergossen wurde, werden wir aus dem Paradies vertrieben. Das Boot der WSL bringt uns zurück zur Hauptinsel, Viti Levu, zurück zu unserer dreckeligen Backpacker-Absteige, zurück zu unserem plötzlich sehr ordinären Leben.

Doch der Wettkampf der Männer steht noch aus. Uns sind zwei weitere Tage auf dem Traumschiff vergönnt. Wir unterhalten uns mit dem Weltmeister Adriano de Souza übers Reisen, witzeln mit Jordy Smith darüber, warum sich manche Surfer am Riff verletzen und andere nicht, lassen uns von Mick Fanning über das Partyleben australischer Surfer aufklären und reden mit Matt Wilkinson über seine durchgedrehte Neo-Kollektion. Als eine Helferin ausfällt, die dafür zuständig ist, den Surfern vor dem Wettkampf ihre Trikots zu geben und nachher wieder abzunehmen, soll ich einspringen. Es ist die Geburtsstunde des Jersey Girl. Das Jersey Girl nimmt seinen Job sehr ernst. Es überprüft, dass die Profis ihre muskulösen Oberkörper in die richtigen Lycra-Leibchen zwängen. Es erinnert sie daran, ihre muskulösen Oberkörper nach dem Wettkampf wieder zu entblößen. Es schlägt mit den Gewinnern ein und klopft den Verlierern aufmunternd auf die Schulter. Das Jersey Girl hat seine Berufung gefunden.

Zurück auf Viti Levu reiben wir uns ungläubig die Augen. Haben wir wirklich mit Kelly Slater über seine künstliche Welle gesprochen? Hinter vorgehaltener Hand über Gabriel Medina und seinen Papa gelacht? John John Florence den Weg zum Klo gezeigt? Mit den Profis zusammen Cloudbreak gesurft und sogar ab und an eine Welle abbekommen? Haben wir. Glücklich schlafen wir ein. Was wir da noch nicht wissen: Fiji wird uns auch noch seine dunkle Seite zeigen…

 


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