Von Männerliebe, Sandfliegen und Dschungelträumen

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Die Ankündigung des großen Swells treibt uns nach Süden. In Rio Nexpa frühstücken wir mit einem Esel und hören den Langzeit-Expats beim neusten Strandklatsch zu: welcher Köter es gerade mit welchem getrieben hat und wo neulich eine Schildkröte ihre Eier abgelegt hat. Das Leben in Nexpa ist ruhig, die Wellen sind groß, aber nur einen Tag richtig gut. Wir ziehen weiter in den Staat Guerrero. Saladita ist die mexikanische Schwester von Malibu und bietet leider nicht nur ebenso lange Wellenritte, sondern auch ebenso viele Menschen im Wasser.

An zwei Morgen paddeln wir im Dunkeln hinaus, um die Welle mal ein bisschen für uns allein zu haben. Aber aus dem Schwarz der Nacht heraus tönt schon ein Gruß. Wir sind nicht die einzigen, die surfen gegen schlafen tauschen. Und dann zieht Markus auch noch den Hass eines einheimischen Surfers auf sich. Der andere ist zwar im Unrecht, aber Markus entschuldigt sich trotzdem. Mit den Einheimischen soll man es sich lieber nicht verscherzen. Der Gockel krakeelt und schimpft und kommt sich arg gekränkt vor. Doch am Abend passiert das Unfassbare: Der Hitzkopf entschuldigt sich bei Markus. Höhepunkt der Versöhnung ist, als der mobilesurfdoc dem Surfer in die Ohren gucken darf. Hand in Hand laufen sie zusammen in den Sonnenuntergang.

Frühstück mit Esel
Frühstück mit Esel in Nexpa

Trotzdem ist uns in Saladita der Rummel zu groß. Wir weichen auf andere Spots in der Umgebung aus. Der Drache darf mal wieder zeigen, was er jenseits von asphaltierten Straßen so leisten kann. Langsam nimmt eine Schnapsidee in unseren leer gesurften Schädeln Form an. Was, wenn wir den großen Swell doch nicht in der Saladita-Region mit fraglos grandiosen Wellen aber auch vielen Surfern fangen, sondern in…? Wir steigen in unseren Drachen und fliegen gen Norden.

In San Blas ist tote Hose. Keine Wellen, keine Surfer, kein großer Swell. Dafür die berüchtigten “Jejenes”, Sandfliegen, die am Strand genüsslich über uns herfallen. Verdammt, warum sind wir nicht in Saladita geblieben? Fluchend wachsen wir trotzdem unsere Longboards, das Meer scheint der beste Ort zu sein, um den Viechern zu entkommen. Aber lauern im Wasser vielleicht andere Tierchen? Das Wasser ist gelblich trüb. San Blas ist Dschungel, in den Mangroven leben Krokodile. Wir paddeln in die nächste Bucht und finden tatsächlich ein paar Wellen. Ab und an kommen größere Sets durch. Vielleicht haben wir ja doch Glück?

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Haben wir. Am nächsten Tag ist der Swell da. San Blas produziert eine makellose rechte Welle nach der anderen, die sich über hunderte Meter die Bucht entlangspult. Wir schnappen unsere Shortboards. Außer uns ist niemand im Wasser. Als wir nach Stunden völlig platt gesurft sind, kommen endlich ein paar einheimische Surfer. Wir sind fast froh, abgelöst zu werden. Ungesurft dürfen solche Wellen einfach nicht vorbeilaufen. Mit Gummiarmen paddeln wir zurück zum Drachen. Am Strand merken wir kaum, dass die Jejenes auf unseren Armen und Beinen ein Festmahl veranstalten.

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