Ankunft in den Tropen: Die Rückkehr des Kokovoren

DSC04151-2Wir kommen nicht weit, nachdem wir in Mazatlán von der Fähre gerollt sind. Alle paar Meter lockt uns ein Straßenstand mit tropischen Früchten. Wir zelebrieren das Ende unserer (zugegebenermaßen etwas kargen) Wüstendiät mit Mangos, Papayas, Guanabanas, Mini-Bananen, Melonen und natürlich Kokosnüssen. Markus besinnt sich auf seine Lieblingsreligion, den Kokovorismus. Er droht mit Fahrerstreik, wenn er nicht jede Viertelstunde  eine kalte Kokosnuss zu trinken bekommt. Gemächlich trägt uns der Drache durch die Staaten Sinaloa, Nayarit, Jalisco und Colima bis nach Michoacán. Wir teilen uns die Straßen mit Drogenbaronen, die sich hinter den verdunkelten Scheiben ihrer brandneuen Hummer verstecken, mit Soldaten, die breitbeinig auf der Ladefläche von Pickups ihre Kalaschnikows zur Schau stellen, mit Kühen, die sich verlaufen haben, und mit betrunkenen alten Indios, die auf der Autobahn spazieren torkeln.

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Eigentlich sorgen wir uns in Mexiko nicht um unsere Sicherheit. Aber es fühlt sich etwas gruselig an, auf derselben Route zu reisen, auf der vor wenigen Monaten zwei australische Surfer ausgeraubt und umgebracht wurden. Unser erstes Ziel, La Ticla, hat auch eine wenig vertrauenserweckende Vergangenheit. Mehrmals wurden Surfer hier überfallen und auch mal entführt. Deswegen wollen wir nur für eine Surf-Session hinfahren. Aber in La Ticla treffen wir ein Paar, das wir von der Baja her kennen. Die zwei campen seit einigen Tagen am Strand und schwärmen von der guten Stimmung im Dorf. Unsere Sorgen lösen sich in Luft auf. Selber gucken und fühlen ist immer besser, als dem Internet zu vertrauen, finden wir. Und Ticla fühlt sich gut an.

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Wir suchen uns eine Hütte mit Hängematte und fragen uns, wie wir so lange ohne auskommen konnten. Sowohl der Hütte als auch der Hängematte. Rund hundert Nächte haben wir auf der Baja in unserem Drachen verbracht. Jetzt genießen wir es, in einem richtigen Bett zu schlafen, mit fließend Wasser zu duschen und einen gemütlichen Ort zum Lesen zu haben. Sogar unser Campingkocher kriegt eine Auszeit. Mittags kommt eine señora vorbei und verkauft heiße Tamales. Abends öffnet ein Taco-Stand auf dem Plaza Mayor seine Tore und das halbe Dorf pilgert hin. Weniger wegen der Maisfladen als wegen des großen Fernsehers, auf dem die neuste Folge der Telenovela „Sueño de amor“ läuft, an der alle (inklusive uns) regen Anteil nehmen.

In La Ticla gibt es jeden Tag etwas zu surfen. Markus freut sich wie ein Kind, endlich wieder linke Wellen reiten zu können. Unsere Surf-Sessions machen Spaß, bleiben aber manchmal hinter unseren Erwartungen zurück. Wir machen Ausflüge zu versteckten Stränden in der Nähe und finden traumhafte Spots. Wir sind verdammt verwöhnt, das wissen wir. Aber es muss doch im Leben mehr als alles geben. Wir wollen das richtige Mexiko im Wasser, mehr Wums, mehr Perfektion.  Schließlich satteln wir den Drachen und machen uns auf nach Pascuales.


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