Von Yogastudios und einer Testosteron-Fähre

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Nach den Seven Sisters kommt, was kommen musste: Wir finden die Wellen im Süden der Baja California irgendwie enttäuschend. Kein Spot kann dem Vergleich standhalten. Obwohl wir viel surfen, fehlt uns der Wums der großen Winter-Nord-Swells. Und die großen Sommer-Süd-Swells lassen noch auf sich warten.

Dazu kommt ein kleiner Zivilisationsschock. Nachdem wir monatelang recht abgeschieden gelebt haben, freuen wir uns zwar über passables Internet und ein nettes Café, finden das Drumherum aber abstoßend. Todos Santos, gehypt als charmantes Künstler-/Aussteiger-/Surfer-Städtchen mit Biomarkt und Yogastudio, kann uns so gar nicht begeistern. Amerikanische Expats, so weit das Auge reicht, viele Selbst-Finder, -Gefundene und -Verlorene. Statt ein Zimmer zu mieten, wie ursprünglich geplant, fliehen wir mit unserem Drachen an einen Strand nördlich des Ortes, an dem wir in Ruhe campen und surfen können. Das gemütliche Café La Esquina mit Wifi ist trotzdem nur eine Viertelstunde Fahrt entfernt. Der Kompromiss gefällt uns.

Und dann erlaubt uns Opodo endlich, unsere Flüge nach Fiji doch zu verschieben. Am nächsten Tag sitzen wir auf der Fähre zum Festland. Nicht ohne vorher noch kurz in La Paz mit Walhaien schwimmen zu gehen.

DCIM101GOPROWir setzen mit der Trucker-Fähre über, nicht mit dem teuren Touri-Schiff. Der Vorteil: Wir dürfen auf dem Deck in unserem Drachen übernachten. Der Nachteil: Die Anwesenheit einer Frau auf der Fähre ist ein Jahrhundertereignis. Die Brummifahrer starren sich einen Wolf und scheinen verstört, wenn ich den Mund aufmache.

Am Anfang finden wir uns auf der Fähre schwer zurecht. Steht auf einer Treppe „Kein Durchgang“, ist das der einzig richtige Weg. Steht an einer Tür „nur für Mitarbeiter“, verbirgt sich dahinter das Bord-Restaurant. Klebt irgendwo ein „Nicht-Rauchen“-Sticker, versammeln sich genau dort die Paffer der Fähre. Wir lesen zwar überall „Kein Alkohol an Bord“, in den Bullaugen der Crew-Kabinen häufen sich aber die Rum-Flaschen. Langsam verstehen wir das System. Als mitten in der Nacht ein paar der auf dem Deck geparkten Autos die Zündung anlassen, raubt uns das nicht den Schlaf. Handys wollen geladen werden, und mit Aircon schläft es sich doch viel angenehmer.

Am nächsten Morgen sehen wir die ersten Häuser von Mazatlan am Horizont und die Sonne hinter ihnen aufgehen. Festland-Mexiko, da sind wir.

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