Von wilden Eseln, Playboys und Indianern

DSC03760-2Im Süden der Baja ist das Wasser wärmer, die Landschaft grüner und die Fische bunter. Die Expats aber sind genauso kauzig wie im Norden.

An einem abgelegenen weißen Sandstrand am East Cape treffen wir eine Baja-Legende. Dave war einer der ersten Surfer auf der Halbinsel, in den 70er Jahren. Viele Wellen hat vor ihm und seinem Bruder wahrscheinlich kaum einer auf der Baja gesurft. Die Geschichte kommt uns bekannt vor. Es ist einer dieser Baja-Zufälle, dass wir Daves Bruder von den Seven Sisters kennen. Mike hatte mich eines schönen Tages mit seinem Stand-up-Paddelboard überfahren. Wir mochten einander sofort. Der alte Fischer hat einen Deckelmischling mit den kürzesten Beinen der Welt und sieht selbst nicht viel anders aus. Er erzählte uns viele Geschichten von der Zeit, als sein Bruder und er die einzigen Surfer in diesem Teil von Mexiko waren. Als es noch keine geteerten Straßen auf der Baja gab, keine Surfspotguides, kein google maps. Und nun treffen wir eben diesen Bruder. Dave erzählt uns nicht nur von früher. Er führt uns in die neue Strandgemeine ein.

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Da ist Christopher, der verrückte Indianer, der seit fünf Jahren mit seinen sechs halbwilden Katzen am Strand lebt von dem Geld, das ihm die USA monatlich als Entschuldigung dafür zahlen, dass sie seine Vorfahren ausgerottet haben. Ab und zu tönt wildes Gelächter aus seinem mit Palmenwedel gedeckten Unterstand. Oder Miauen, wobei unklar ist, ob es von den Katzen kommt oder vom Indianer. Angeblich backt er die beste Shrimp-Pizza der Baja in seinem selbstgebastelten Ofen. Wenn sie fertig ist, reckt er seinen mit Federn geschmückten Holzstab in die Luft und pustet in eine Vuvuzuela. Sein Häuptlingsstab ist mit der Haut einer Klapperschlange umwickelt. An der Wand seiner Palapa hängt ihr Skelett.

Dann ist da noch der iranische Verwalter des iranischen Millionärs, dem hier viel Land gehört. Bisher liegt es zwar brach, aber die staubige Erde gehört nun mal dem Millionär, weswegen er darauf als überzeugter Moslem keinen Alkohol dulde. Das bringt seinen Verwalter als ebenso überzeugten Alkoholiker in eine Zwickmühle. Kompromissbereit lagert er seine Flaschen am Strand.

DSC04062Dann ist da der Künstler. Seit Monaten arbeitet er am Strand an seiner Karma-Swing, einer  überdimensionierten Schaukel aus aufwändigem Äste-Geflecht. Er will sie irgendwann verkaufen. Aber was macht er dann den ganzen Tag?

Dann sind da noch die drei Surf Boys aus Kalifornien, die mit Opas XXL-Wohnmobil unterwegs sind und stapelweise Playboy-Heftchen mit sich herumfahren, um damit die Federales und Militares an den Straßenkontrollen milde zu stimmen.

Und dann sind da noch die durchgeknallten Arroyo-Esel (Arroyo = trockenes Flussbett). Die tauchen ab und am Strand auf und durchforsten die Camps nach Nahrung. Jeder, der länger am East Cape bleibt, hat eine Esel-Geschichte zu erzählen. Wie einer plötzlich im Wohnmobil stand. Wie sich einer in ein Zelt verirrt und es auf der Flucht einfach mitgenommen hat.

DSC03901-2Unsere Erfahrung beschränkt sich auf eine Begegnung durchs Autofenster hindurch. Der Esel knabbert etwas an der heruntergelassenen Scheibe, lässt sich die Nase kraulen und trollt sich, als er merkt, dass es kein Essen gibt.

Das East Cape hat türkisfarbenes Wasser, feinen weißen Sand und lange Longboardwellen. Buckelwale werfen sich alle naslang in die Luft und fallen mit großem Platsch wieder ins Wasser. Die Einheimischen ziehen knallige Fische aus dem Wasser, die eigentlich viel zu schön sind, um gegessen zu werden. Wir können das erste Mal auf unserer Reise ohne Neoprenanzüge surfen gehen.


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