Central Baja: End of the Season

Die Saison in Central Baja neigt sich langsam dem Ende zu. Viele Teilzeit-Expats müssen zurück in die USA oder nach Kanada, um sich mit Saisonarbeit ihren nächsten Surfwinter in Mexiko zu finanzieren. Die Wellen sind weiterhin fantastisch, aber die Nordswells werden langsam weniger.

Die Seven Sisters fühlen sich noch einsamer an als sonst. Wir genießen es, wenn wir an manchen Tagen ganz alleine im Wasser sind. Aber wenn sich mal ein paar andere übriggebliebene Surfer in unsere Bucht verirren, finden wir das auch ganz schön.

Und als eines Tages Caleb und Chris vor unserem Drachen stehen, flippen wir vor Freude fast aus. Caleb haben wir den ganzen Winter über immer wieder getroffen und uns mit ihm angefreudet. Zwischen Trips nach Kalifornien, Alaska und Kanada hat er uns einige Male auf der Baja besucht. Diesmal im Doppelpack. Caleb hat seinen Zwillingsbruder Chris mitgebracht. Die zwei brauchen ungefähr gar keinen Schlaf, haben trotzdem Energie zu den Ohren raus und stecken voller abgedrehter Geschichten.

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Wenn Skifahrer, Snowboarder, Surfer, Kiter, Kletterer irgendwo auf der Welt an ihre Grenzen gehen, machen die zwei mit – Kameras in der Hand. Sie arbeiten für GoPro in San Francisco. Tagsüber versuchen wir mit den Zwillingen mitzuhalten. Drei Surfsessions am Tag sind das Minimum. Und wer abends noch stehen kann, hat nicht alles gegeben. Wenn es dunkel wird, kuscheln wir uns in Calebs Bus Moby zusammen und hören Geschichten aus dem aufregenden Leben unserer magic twins.

Als die zwei nach einer Woche abfahren müssen, drohen wir in ein tiefes Loch zu fallen. Aber ein Aussteigerpaar bewahrt uns davor. George, ein ehemaliger Longboard-Profi aus Kalifornien, und Sandra, seine holländische Frau, laden uns völlig überraschend in ihr selbstgebautes Haus zum Abendessen ein. Die zwei sind nicht gerade für ihre Gastfreundschaft bekannt. Eigentlich nervt es sie mehr, dass sie auf der Flucht vor den kalifornischen Immobilienpreisen an den Arsch der Welt gezogen sind und ihre Wellen nun trotzdem mit anderen Surfern teilen müssen.

Uns scheinen sie irgendwie liebgewonnen zu haben. Das kann damit zu tun haben, dass wir George im Januar ein Longboard abgekauft haben und er uns gerne auf seinem alten Wettbewerbsbrett reiten sieht. Oder damit, dass wir als Europäer keine dauerhafte Wellenkonkurrenz  darstellen. Oder damit, dass wir einfach wahnsinnig liebenswert sind.

Das Haus liegt, wer hätte das gedacht, wo Wüste auf Ozean trifft. Die Erde ist rot und steinig. Weiße Walknochen säumen den steilen Weg auf den Hügel. Der Blick aufs Meer ist atemberaubend.

Die zwei haben alles, was man so braucht: Einen Solar-Backofen, einen Propan-Kühlschrank, eine Wurmfarm. Mit der gewonnenen Erde haben sie sich einen kleinen Kräutergarten gezüchtet, auf der Rückseite des Hauses, wo der Wind nicht so unerbittlich pfeift.

Seit Monaten essen wir zum ersten Mal aus Keramik-Tellern. In unserer Campingausrüstung ist alles aus Plastik. An mexikanischen Taco-Ständen sowieso.

Die Saison neigt sich dem Ende zu. Wer noch da ist, rückt enger zusammen. Vor dem Kamin erzählen uns George und Sandra ihre Lebensgeschichte. Bald werden wir in den Süden weiterziehen. Die sieben Schwestern fehlen uns jetzt schon.

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